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28.09.2026
11:08 Uhr
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Deutschlands wohl beliebtester Quizmaster positioniert sich zum Thema Tracht, Harald Glööckler hat das längst hinter sich und wird kreativ – und über die Theresienwiese weht ein Hauch von altem Adel.

Künstler brauchen Inspiration. Die kann man sich auf ganz unterschiedliche Weise verschaffen. Etwa indem man sich an besondere Orte begibt oder sich mit besonderen Menschen umgibt. Oder natürlich auch durch den Konsum von Inspiration fördernden Substanzen, von denen gemeinhin Alkohol und Nikotin als gesellschaftskompatibel gelten. Insofern kann es wohl kaum einen inspirierenderen Ort für den Maler und in München nach vielen Auftritten und Ausstellungen bestens bekannten Markus Lüpertz geben. Der hat am Sonntagnachmittag auf dem Balkon des Schützenzelts beim Empfang des Verlegers Dirk Ippen (Merkur, tz) auch gezeigt, wie man die Modetradition des Ortes und den eigenen Stil verbindet. Seine auch sonst beliebten Accessoires wie Hut, Stock und Krawattenschal als Old School Gentleman verbindet er mit dezenten Trachtenelementen. Zuletzt hat Lüpertz Kirchenfenster für den Naumburger Dom gestaltet. Das Thema: Verdammnis und Erlösung. Passt ebenfalls wunderbar zum Oktoberfest.
Die Kinder und irgendwann auch die Enkel können meist viel lernen von den Eltern und Großeltern. In diesem Fall von Peter Gauweiler (CSU), dessen Name zur Wiesnzeit immer wieder vor allem deshalb fällt, weil er als Leiter des Kreisverwaltungsreferats im Jahr 1984 strengere Kontrollen beim Ausschank auf dem Oktoberfest einführte, worüber sich wenig überraschend die Wiesnwirte ordentlich ärgerten. Das ist schon eine Weile her, am Sonntagnachmittag zeigt der Opa (dazwischen Ehefrau Eva) dem Enkel, wie man für ein Wiesnfoto posiert. Anstoßen (auch wenn es hier nur eine Kaffeetasse ist), dabei in die Kamera schauen und immer den Blick aufsetzen, der suggeriert: Wehe, da ist auch nur ein Milliliter Unterschank im Krügerl.
Günther Jauch (links) ist für die Erlösung-und-Verdammnis-Wochen auf der Theresienwiese selten zu haben. Und man kann ihm das auch ansehen. Der mutmaßlich immer noch weiter um sich greifenden Trachtenpflicht zu widerstehen, passt zu dem Mann mit seinem meist leicht hintersinnigen bis hinterhältigen Auftritt. Auch er bleibt wie Lüpertz seinem Stil treu, nur die Gürtelmusterung kann als minimales Zugeständnis an den Trachten-Look gewertet werden. Ganz anders als die Nebenstehenden im Käferzelt am Sonntag: Marion Kiechle (Direktorin der Frauenklinik Rechts der Isar und ehemalige Wissenschaftsministerin im Kabinett Söder), Marcel Reif (ehemaliger Fußballkommentator und nun Moderator einer Fußball-Orakel-Fernsehshow), der eine Charivari trägt mit den Jagd-Trophäen sämtlicher erlegter Fußball-Floskeln, und Gastgeber Thomas Schreiner (von der Champagnermarke Laurent-Perrier), der überlegen könnte, ob man nicht in diesem Zelt statt einer Bierpipeline, wie sie etwa von Paulaner eingesetzt wird in seinen Zelten, eine für den Schaumwein aus Frankreich verlegen sollte. Mit einer millilitergenauen Verbrauchsanzeige, damit auch Peter Gauweiler glücklich ist.
Die Figur des Verlegers, der auch in der Münchner Society auftaucht, ist bis heute eng an die Filmfigur Friederike von Unruh gebunden, gespielt von Ruth Maria Kubitschek in „Kir Royal“. Während Klatschreporter Baby Schimmerlos noch durch Schlüssellöcher in Hotelzimmer fotografieren ließ, aus denen die Prominenten heute selbst ihre Bilder verbreiten, war Frau von Unruh eine idealisierte Vorlage einer Verlegerin, mit ein paar sympathischen Schwächen, etwa wenn es um öffentliche Auftritte ging oder um die Akquise von Anzeigen. Ihre Figuren hätten Stil, Haltung und Grandezza, urteilte einmal eine Film-Jury über Kubitschek. Auch der reale Verleger Dirk Ippen (Merkur, tz) ist präsent in der Münchner Gesellschaft. Ob bei Einladungen, Veranstaltungen seiner Zeitungen oder wie am Sonntag mit einem eigenen Empfang namhafter Gäste auf dem Oktoberfest auf den Balkon des Schützenzelts zum Standkonzert an der Bavaria. Wie Regine Sixt zum Beispiel, rechts neben ihrem Mann Erich, ganz links Marlene Ippen. Der Merkur titelt am nächsten Tag über dieses Event: Der schönste Logen-Platz auf der Wiesn.
Wer schon länger der Kaste der Gesellschaftsreporter angehört, dem unterläuft dieser Fehler kaum noch: bei Alessandra und Philipp von Thurn und Taxis den Prinzen und die Prinzessin an die richtige Stelle zu setzen. Zwar sind Adelstitel längst nur noch Namenszusätze, aber die Betroffenen schreiben sich trotzdem oft noch gerne als Prinz von. In dem Fall ist das hier im Bild Philipp Prinz von Thurn und Taxis mit seiner Frau Alessandra, und eben nicht Prinz Philipp. Ob Philipp Prinz oder Prinz Philipp, Adelsbesuch ist auf dem Oktoberfest immer gern gesehen. Denn wie jeder weiß: Ohne Adel respektive Adelshochzeit im Jahr 1810 unter Beteiligung von Prinzessin Therese (Prinzessin vorne, denn damals war sie es ja noch wirklich) kein größtes Volksfest der Welt. Philipp, Großneffe von Gloria Fürstin von Thurn und Taxis unterscheidet sich von anderen auf der Wiesn nicht nur durch längere Namen, sondern auch durch Bierdeckel auf den Masskrügen, wie die Kollegen von Bunte herausgefunden haben. Holzdeckel mit Familienwappen sind das, die wohl fürstlichen Genuss ermöglichen sollen.
Interessant an diesem Foto ist nicht nur das Aussehen des Modedesigners. Harald Glööckler gibt es nicht ohne exzentrischen Auftritt und Look. Nach eigener Aussage (bei den Kollegen von RTL) hat der Mann mal die Kosten seiner Schönheitsbehandlungen samt Schmuck auf 600 000 Euro geschätzt. Interessant auf dem Bild aus dem Marstall-Zelt am Sonntag ist zudem aber auch die spontane Reaktion etwa der Dame links am Tisch. Die scheint sich nach vorn zu beugen, um sich zu vergewissern, ob sie das gerade richtig gesehen hat, die Pose des 61-Jährigen. Und dann gibt es noch das Tattoo auf Glööcklers linkem Arm, das er so perfekt in die Kamera hält, dass der Mann in Schwarz dahinter auf einmal wieder Haare zu haben scheint, zumindest an einer Seite. Eindeutig, wie der Herzbutton auch schon sagt, Harald Glööckler ist der Göttin der Wiesn.
Palina Rojinski würdigt im Käferzelt endlich, was längst hätte gewürdigt werden sollen, ein „Fack ju Göhte“-Star lässt sich blicken und der Bundesinnenminister zelebriert das Italienerwochenende mit einem besonderen Gast.
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